Kurt von Bley

Mittwoch, 16. April, 20 Uhr

Sonnenallee 85, 12045 Berlin



"gerade algebra hat ihn immer ungemein gereizt. ungemein."
2012
s/w-Foto, Stahl, Faden
© kurt von bley & VG Bild-Kunst Bonn, 2012


Der in Berlin lebende Künstler Kurt von Bley (geb. 1976 in Polen) setzt sich in seinen Arbeiten intensiv mit dem Thema ‚Identität’, die Suche nach ihr und deren Verlust auseinander.

Um seine Gedanken und inneren Bilder auszudrücken, bevorzugt er grundsätzlich die dreidimensionale Darstellung. So arbeitet er mit objets trouvés, alten (Familien-) Fotos, die im künstlerischen Prozess in Objekte transformiert werden, sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen, die ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und so entfremdet werden.

Seine Präferenz, dreidimensional zu arbeiten und faktisch Greifbares zu erschaffen, rührt möglicherweise von seiner eigenen Suche nach Identität, von dem Verlangen, dieses immaterielle Etwas am liebsten haptisch, ganz und gar greifbar vor sich zu haben. 

Neben Objekten und installativen Arbeiten bildet das fotografische Oeuvre eines der Haupt-Genres von Bleys. Die hierfür verwendeten Fotos stammen überwiegend aus dem privaten Familienarchiv. Diese werden ausschließlich manuell unter Anwendung verschiedener Techniken verändert und manipuliert. Sei es durch an eine Collage erinnernde Technik des Zusammenfügens von unterschiedlichem Bildmaterial, das Nähen auf und Besticken von Fotos, das Bekleben, Beschriften oder Bemalen von Bildteilen oder das Behandeln mit Wachs. Die fotografischen Vorlagen verlassen meistens die Zweidimensionalität und werden in plastische, fast schon objekthafte Gebilde transformiert.

Eine zentrale Rolle in diesem Transformationsprozess spielt das Nähen bzw. Besticken von Fotografien (eingeschlossen Dia-Negativen) – Tätigkeiten, die unter dem Sammelbegriff Handarbeiten kulturgeschichtlich gemeinhin eher dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. In seinen ‚genähten’ Arbeiten bedient sich Kurt von Bley dieser Techniken, um visuelle Resultate zu erzielen, die inhaltlich unterschiedlich konnotiert und interpretierbar sind.

Der mühsame Versuch, sich eine Identität zu erschaffen, interessiert Kurt von Bley genauso wie die Frage, wie stabil eine solche neu kreierte Identität sein kann. So erinnern die gestickten Bilder, in denen die Gesichter oft maskiert, verändert oder gar ganz versteckt werden, an eine schmerzhafte Suche nach Identität, die ‚zusammengeflickt’ werden muss. Das Motiv des Fremd-Seins in einer ethnisch-homogenen Umgebung, das ihm selbst aufgrund seiner Biographie (geboren in einer deutschstämmigen Familie in Oberschlesien, das seit 1945 zu Polen gehört) vertraut sein dürfte, des Keine-Stimme-Habens und der daraus oft resultierenden Anonymität und Alienation ziehen sich wie ein (roter) Faden nicht nur im übertragenen Sinne durch viele seiner Arbeiten.

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