Arne Schreiber

in der Galerie koal

Mittwoch, 04. Juni, 20 Uhr


Adresse: Brunnenstraße 25 B, Berlin




#404Z / 2013
Graphit auf Papier / 100 x 70 cm 
courtesy Galerie koal / Berlin


Auszug aus dem Pressetext zur Ausstellung "folgen": 

Durch die Sichtbarmachung verborgener Muster wirkt Schreibers Kunst wie ein Rastermikroskop, das in optische Tiefen vordringt und mathematische Tiefe zwischen den Linien flimmern lässt. Dabei folgt es wie ein Präzisionsinstrument den Gegebenheiten des Werkstoffs und den Gesetzmäßigkeiten seines eingeschriebenen Programms. Es folgt aber auch dem eigenen Messergebnis, indem es die laufende Produktion stets auf das bereits Produzierte rückkoppelt.

Schreiber selbst folgt dieser Dynamik des Werks, gibt sich dem Arbeitsprozess hin, einem gleichzeitig physisch aufreibendem wie kontemplativen, Flow erzeugenden Akt. Er fertigt jede Einzellinie in einem durchgehenden Zug, ohne Hilfsmittel, in oft stundenlanger Repetition; die ausführende Hand mit Stift oder Pinsel wird dabei zum Mitspieler des Künstlers. Der wiederum wird zum Kartographen, der die winzigen Höhenlinien des Arbeitsgrundes abtastet und verdeutlicht. Er wird zum Seismographen, der kleinste Abweichungen von der Ebenmäßigkeit aufnimmt, verstärkt und fortsetzt. Er wird auch zum Reprographen, zu einem, der nicht vervielfältigt, sondern das Prinzip der Wiederholung überwacht und so flexibel lässt, dass es trotz des Wandels konsequent bleibt.








Kurt von Bley

Mittwoch, 16. April, 20 Uhr

Sonnenallee 85, 12045 Berlin



"gerade algebra hat ihn immer ungemein gereizt. ungemein."
2012
s/w-Foto, Stahl, Faden
© kurt von bley & VG Bild-Kunst Bonn, 2012


Der in Berlin lebende Künstler Kurt von Bley (geb. 1976 in Polen) setzt sich in seinen Arbeiten intensiv mit dem Thema ‚Identität’, die Suche nach ihr und deren Verlust auseinander.

Um seine Gedanken und inneren Bilder auszudrücken, bevorzugt er grundsätzlich die dreidimensionale Darstellung. So arbeitet er mit objets trouvés, alten (Familien-) Fotos, die im künstlerischen Prozess in Objekte transformiert werden, sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen, die ihrer ursprünglichen Funktion beraubt und so entfremdet werden.

Seine Präferenz, dreidimensional zu arbeiten und faktisch Greifbares zu erschaffen, rührt möglicherweise von seiner eigenen Suche nach Identität, von dem Verlangen, dieses immaterielle Etwas am liebsten haptisch, ganz und gar greifbar vor sich zu haben. 

Neben Objekten und installativen Arbeiten bildet das fotografische Oeuvre eines der Haupt-Genres von Bleys. Die hierfür verwendeten Fotos stammen überwiegend aus dem privaten Familienarchiv. Diese werden ausschließlich manuell unter Anwendung verschiedener Techniken verändert und manipuliert. Sei es durch an eine Collage erinnernde Technik des Zusammenfügens von unterschiedlichem Bildmaterial, das Nähen auf und Besticken von Fotos, das Bekleben, Beschriften oder Bemalen von Bildteilen oder das Behandeln mit Wachs. Die fotografischen Vorlagen verlassen meistens die Zweidimensionalität und werden in plastische, fast schon objekthafte Gebilde transformiert.

Eine zentrale Rolle in diesem Transformationsprozess spielt das Nähen bzw. Besticken von Fotografien (eingeschlossen Dia-Negativen) – Tätigkeiten, die unter dem Sammelbegriff Handarbeiten kulturgeschichtlich gemeinhin eher dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden. In seinen ‚genähten’ Arbeiten bedient sich Kurt von Bley dieser Techniken, um visuelle Resultate zu erzielen, die inhaltlich unterschiedlich konnotiert und interpretierbar sind.

Der mühsame Versuch, sich eine Identität zu erschaffen, interessiert Kurt von Bley genauso wie die Frage, wie stabil eine solche neu kreierte Identität sein kann. So erinnern die gestickten Bilder, in denen die Gesichter oft maskiert, verändert oder gar ganz versteckt werden, an eine schmerzhafte Suche nach Identität, die ‚zusammengeflickt’ werden muss. Das Motiv des Fremd-Seins in einer ethnisch-homogenen Umgebung, das ihm selbst aufgrund seiner Biographie (geboren in einer deutschstämmigen Familie in Oberschlesien, das seit 1945 zu Polen gehört) vertraut sein dürfte, des Keine-Stimme-Habens und der daraus oft resultierenden Anonymität und Alienation ziehen sich wie ein (roter) Faden nicht nur im übertragenen Sinne durch viele seiner Arbeiten.

weitere Infos:



Annette Ruenzler

Mittwoch, 26. März, 20 Uhr

Herzbergstr 40-43, 10365 Berlin



Vase 1, 2013
Keramik, Löcher, Kopfhörer, Vogelgesang (Baumpieper) 
90 x 35 x 35 cm

The uncanny aspect of many of Annette Ruenzlers works, their restrained naivity, appears as a coherent attempt to reformulate old conceptions through the distortion of classical beauty references. Her visual language celebrates beauty and poetry in an ambivalent way, at the same time very prosaic and excessively refined.

Even though she is investigating strong issues such as the role and position of women in society – and by extension gender issues and social conventions – there is no didactic moment in her work. Her practice is definitely political, but its quality is focused on the capacity of shapes to question restricting conceptions within society. The oddness of the shapes she produces reveals the complexity of the subjects she approaches and the dangers to provide with definitive or normative answers. Thus, naturally, she leaves ideas and statements open to doubt and personal interpretation. Her ideas are shaped according to a suggestive mode, which is an extremely honest way to develop a critical approach.

Fanny Gonella

Monika Goetz

bei SCHWARZ CONTEMPORARY in der Ausstellung beyond mit den Arbeiten von

Mittwoch, 26. Februar, 20 Uhr
Sanderstraße 28, 12047 Berlin



20.000 Ampere
Courtesy Schwarz Contemporary
Photo: def image

Pressemitteilung:

Zunächst richtet sich der Blick auf eine Wand, die gewaltige Risse enthält. Ausgehend von zwei Linien an der Decke, erstreckt sich darauf aufbauend ein weites Wurzelwerk unterschiedlich tiefer Kanäle im Betongemisch. Der Verlauf der Spuren, Furchen und Verzweigungen erinnern an das Bild eines Blitzes, wie es für den Bruchteil einer Sekunde bei einem Gewitter am Himmel in Erscheinung tritt. Obgleich ornamenthaft und ästhetisch, wirft die poröse Wandfläche die Frage auf, ob sie der Beschädigung Stand halten wird. Diese Fragilität und Schroffheit sind es aber auch, die eine leise Poetik anklingen lassen. Die Wandfläche, die vom Einschlag gezeichnet scheint, bringt zugleich die Idee der Ausstellung aufs Tapet. Beyond handelt von  sphärischen Phänomenen, von natürlichen und vor allem besonderen Erscheinungen, die wir erkennen, aber nicht greifen können. Von himmlischen Naturereignissen, die ohne das Zutun und die Kontrolle des Menschen weit entfernt von uns ablaufen und deren ausschließlich vereinfachte Bilder wir wahrnehmen.

Eine Installation, die auf eine astronomische Besonderheit Bezug nimmt, ist Eclipse, also Sonnenfinsternis. Sie beschreibt eben jenen Moment, in dem Sonne, Mond und Erde in einer Linie stehen. Der Mond, der für die Verfinsterung verantwortlich ist – verdeckt die Sonne nahezu vollständig, sodass nur noch der strahlende Lichtkranz Beachtung findet. Hier spiegelt sich der Ausstellungstitel buchstäblich wider. Bei Goetz befindet sich die tiefschwarze Scheibe vor einer Reihe Leuchtstoffröhren. Optisch in ihren Bann ziehend, ist diese Arbeit außerdem je nach Fokussierung sowohl als Strahlenkranz wie auch als tiefes Loch in der Wand aufzufassen.

Um das Potenzial der Sonne geht es auch beim nächsten Werk: den Regenbogen – eigentlich bunt und somit Symbol für Optimismus – hat die Künstlerin ausschließlich monochrom gezeichnet. In absoluter Low-Tech-Manier hat sie diesen mit Sieb, Bürste und Tusche auf das Papier gespritzt. Sad Rainbow lautet denn auch der Titel des Bogens, der seine Farbigkeit gegen sieben Graustufen eingetauscht hat.

Vor den Eingang des zweiten Galerieraumes hat sich eine fast zwei Meter hohe gläserne Wand geschoben. Sie ist zusammengesetzt aus hunderten kleinen Rechtecken aus Fensterglas und lässt das Dahinterliegende nur schemenhaft erkennen. Auch wenn die Barriere den Weg versperrt, ist man dennoch in der Lage, durch einen kleinen Spalt in den hinteren Raum zu blicken. Dort befindet sich die Plastik Fallen Star, ein gefallener Stern, der am Boden liegt und längst aufgegeben hat zu leuchten. Denn das Spiegelglas, das hier für die Herstellung verwendet wurde, ist nur von seiner grünlichen, matten Rückseite zu sehen – die reflektierende Seite wurde nach innen geklebt. Dazu ragen die dreidimensionalen Spitzen bedrohlich empor. Mit Hilfe der Glass Wall wird zugleich ein lebensfeindlicher, jenseitiger Bereich markiert.

Alle Arbeiten der Ausstellung beziehen sich direkt oder indirekt auf Räume, die nicht greifbar sind, die physisch über uns liegen, oder aber nur in unserer Imagination vorhanden sind. Indem die Künstlerin diese Arbeiten in den Galerieräumen manifestiert, versucht sie, das Nicht-Fassbare fassbar zu machen und zeigt somit noch stärker die Grenzen der eigenen Wahrnehmung auf.

Text : Annika Karpowski

Monika Goetz hat in Kassel Kunst studiert. Nach dem Studium ging sie mit einem DAAD Stipendium in die USA und lebte für sechs Jahre in New York. Seit 2006 ist sie in Berlin ansässig. 

Ihre Arbeiten sind meist ortsbezogene Installationen oder gezielte Eingriffe in die bestehende Architektur eines Raumes. Sie wird vertreten von der Galerie Schwarz Contemporary.

weitere Informationen: 









Fee Kleiß

Mittwoch, 29. Januar, 20 Uhr
Donaustraße 83, 12043 Berlin


Erntefetisch, 40 x 35 cm, Öl auf Leinwand, 2013.

Fee Kleiß ist Malerin und Bildhauerin. Ihr aktueller Werkzyklus, der aus meist kleinformatigen Ölbildern besteht, behandelt auf abgeklärte Art das Phänomen des Gemäldes als Gegenüber. Alles ist erlaubt, daher muss man sich selbst Grenzen stecken: dem Betrachter tritt in den Bildern fast immer ein einzelner Hauptdarsteller entgegen, der so selbstsicher wie fragil auftritt und das Auge einfängt und hält. 
Konkret am Beispiel der jüngst entstandenen Fetische: kleine, hochformatige Leinwände, die je eine pfahlartige Stange, einen Stock oder Stecken zeigen, an dem Blätter neben Pinselstrichen befestigt sind, aus dem Federn herauswachsen und die gebaut und gleichzeitig gewachsen wirken. 
Brillante Farbigkeit begleitet raffinierte Maltechnik, das Sehwerkzeug kann sich endlich mal wieder so richtig satt trinken - Kleiß‘ souveränem Umgang mit dem Material verdanken die Bilder andauernde Präsenz und Unmittelbarkeit. Die Kombination von Formen und Farbtönen, die den Inhalt in Fee Kleiß‘ Bildern bilden, sind die Errungenschaften unterschiedlichster visueller Expeditionen, deren Essenzen man als Schauender in Fülle verabreicht bekommt.

weitere Infos:


Pablo Alonso

Mittwoch, 18. Dezember, 20 Uhr

Moellendorffstr.54, 10367 Berlin

Sarcófago, 2012, Graphit auf Papier, 230 x 157 cm.

Das Werk des Malers Pablo Alonso könnte man als steten Kampf gegen jedwede Art von Grenze beschreiben, egal ob diese physisch, historisch, konzeptuell oder sogar auf die Malerei bezogen ist. Gerade deshalb ist Pablo Alonso im Hinblick auf die klassischen Stilrichtungen schwer einzuordnen.
Alonso ist ein Künstler, der sich absolut für die Malerei begeistert. So wird er zu einem ihrer heftigsten Verfechter, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so aussieht. In seinen jüngsten Bilderserien, wurde die Leinwand gewaltsam bearbeitet; sie wurde zum Beispiel zerknüllt und wieder gespannt, als handle es sich um altes Papier; oder sie wurde mit einem Schweißbrenner angezündet, um bei den aufgetragenen Pigmenten chemische Reaktionen auszulösen. Aus dem ersten Prozess entsteht die Serie der quadratischen Leinwände, die in Rautenform aufgehängt wurden, und deren Oberfläche eher wie Karton als wie Stoff aussieht. Die Bilder, die mit wenigen Ausnahmen einfarbig gehalten sind, zeigen verschiedene Schwarz- und Grautöne und täuschen so eine abstrakte Hell-Dunkel-Malerei (chiaroscuro) vor, basierend auf dreidimensionalen Falten über einer komplett zweidimensionalen Oberfläche. Das Bild tarnt sich als abstraktes Relief und überschreitet so die klassischen visuellen Grenzen zwischen Papier, Leinwand und Stein. Der zweite Prozess der Malerei entsteht ebenso auf einer groß dimensionierten Leinwand, die mit verschiedenen Pigmentschichten bearbeitet wurde. Als letzte Schicht wurde mit großer Sorgfalt Graphit* aufgetragen. Die Leinwand erhebt sich wie ein steriles Universum, ohne Sterne, düster und unheimlich. Pablo Alonso “schändet” sein eigenes Werk mit einem Schweißbrenner, den er als Pinsel benutzt. Der Feuerstrahl ruft eine chemische Reaktion hervor, so dass die verschiedenen Pigmentschichten miteinander verschmelzen und dort, wo der Schweißbrenner mit seiner Hitze die Leinwand küsst, eine Explosion von Farben möglich wird. Die Hitze führt zu einer weiteren chemischen Reaktion, denn der Sauerstoff und die UV-Strahlen wirken auf der Leinwand weiter, intensivieren damit die Farben und schaffen neue Formen. In der Folge enthüllt sich die ästhetische Schönheit dieser Leinwand dadurch, dass sie bestimmten Naturphänomenen ausgesetzt wird; es entsteht ein malerischer Prozess, dessen Verlauf der Künstler nun nicht mehr kontrollieren kann. Pablo Alonso befreit das Werk von seinem eigenen Schöpfer und übergibt es in die Hände unkontrollierbarer Elemente, wie die Luft in einem Ausstellungsraum oder das Licht, das durch die Atelierfenster scheint. Das Kunstwerk wird zu einer Art Lebewesen: Es wird geboren, wächst und stirbt.
Pablo Alonso ist ein Künstler, der seinem Arbeitsmaterial höchste Beachtung schenkt; er erforscht sein Potential und beansprucht es bis über seine Grenzen hinaus. Ein weiteres Beispiel dieser Odyssee kann man in der Serie Sarcófago sehen, in der Graphit auf Zeitungspapier aufgetragen wurde, bis der gesamte Drucktext abgedeckt und somit unsichtbar war. Die Feinheit des Papiers steht im Kontrast zur Kraft des Graphits, der dem Papier eine metallische Textur verleiht. Das Zeitungspapier überschreitet seine Grenzen als einfache Informationsquelle, um eine empfindliche und museumswürdige Unterlage zu werden, wobei es allerdings seine ursprüngliche Funktion als Informations und Textträger negiert.
Für Pablo Alonso hat die Malerei weder Anfang noch Ende; sie befindet sich in einem ständigen Wandel. Deshalb erscheint uns die Malerei von Pablo Alonso so frei: Sie kennt keine Grenzen.

* Graphit ist das Bindeglied zwischen dem Mineralischen und dem Organischen. Graphit ist eine Form von Kohlenstoff unter einem bestimmten Druck. Kohlenstoff ist die Grundsubstanz der organischen Chemie, sie findet sich bei allen bekannten Lebewesen und ermöglicht durch den chemischen Prozess der C14- Methode die Altersbestimmung von Fossilien. Kohlenstoff wird unter extrem hohem Druck zu Diamant.

weitere Infos unter:





BENTEN CLAY

Donnerstag, 7. November, 20 Uhr
Ritterstr.12-14, 10969 Berlin


Zwischen Autokonzern und Künstlergruppe oder: Wer ist BENTEN CLAY und wenn ja wie viele? 

Ihr Logo sieht aus wie von einer Automobilmarke, ihr Unternehmensleitbild klingt wie das der Deutschen Bank. Im Nu drängen sich dem Betrachter Fragen auf: Wer ist BENTEN CLAY, was wollen seine Macher und welche Rolle spielt das finnische Endlager für Atommüll bei all dem?
Die Künstlerkooperation gibt Einblick in ihre bisherigen Produktionen zu ihrem Langzeitprojekt “Age of an End”.

weitere Informationen:

www.bentenclay.com